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Fahrt in den Süden

Immer noch Montag, 19. März 2007. 15.44 Uhr. Das Radio berichtet schlechte Neuigkeiten. Die Lage mit der Hungersnot spitzt sich zu. Der Bohnenpreis steigt weiter, die Nahrungsmittel werden immer knapper. In der Provinz Kayanza sind Fälle bekannt, in denen Familien ihre Kinder als Arbeitskräfte verkaufen, um von dem Geld dann Essen zu kaufen. Unvorstellbar. Aber eine nicht neue Methode in Ländern, deren Bevölkerung von Hungersnöten geplagt wird. Nur mittendrin zu sein, in solch einem Land, das macht das Ganze erst unheimlich. Gut, dass unsere Kids im Heim sind. Sie verkauft zu wissen, als bloße Ware, um dann als billige Arbeitskraft irgendwo unterzugehen, ist für mich ein Horrorszenario.

 

Dienstag, 20. März 2007. Ich erzählte schon öfter von einem neuen Bekannten aus Südafrika. Paul Eberhard heißt er und er setzt sich schon sehr viel für die burundikids ein, verbreitet unseren Namen, auch meinen Weblog, sucht nach Unterstützung für uns an allen Ecken und Enden. Obwohl wir uns „nur“ per Mail kennen, nicht persönlich – bislang. Das wird sich auch noch ändern, denn Paul und seine Frau Maria werden an Ostern eine große Tour mit ihrem „Buschtaxi“ (Toyota Landcruiser) durch das südliche und östliche Afrika starten. Die genaue Tour steht noch nicht fest, da es schwierig ist zu planen – aufgrund Hungersnöte, Ausschreitungen, Überschwemmungen. Fest steht nur, dass die Tour ein Abenteuer wird, mit mehreren Tausend Kilometern und – was mich sehr freut – einem Besuch bei unseren Projekten in Bujumbura. Dann wollen wir uns persönlich kennen lernen. Paul wird auf seiner Tour ebenfalls Tagebuch führen. Auch wo er sich mit seiner Frau gerade befindet, kann man auf seinen Internetseiten mitverfolgen. Der Link: http://paul.lebay.co.za . Ich bin gespannt, was er alles zu berichten hat. Mit Sicherheit eine spannende Sache. Ich persönliche freue mich auf die Einträge und vor allem auf unser Treffen in Burundi, das ihm aus einer spontanen Entscheidung heraus nun sehr am Herzen liegt.

 

Mittwoch, 21. März 2007. 11.25 Uhr. Benoits Geburtstag. Werde ihm gleich gratulieren, wenn er zur Mittagspause kommt. Besonders interessieren wird das niemand, in Burundi werden schließlich keine Geburtstage gefeiert. Viele wissen nicht einmal genau, wann sie haben. Nur die ungefähre Jahreszeit – oder den Monat. Namen wie Sylvestre oder Janvier sind daher nichts Ungewöhnliches.

 

Gestern hatten wir einen recht lockeren Tag. Obwohl ich eigentlich viel Arbeit im Kopf hatte, die ich erledigen wollte. Ich ließ mich dennoch auf den entspannten Tag ein – aus persönlichen Gründen. Wir – das sind Marie, Julia, ihr Freund Christian, Lena und ich, sowie Fahrer Melchiade – fuhren in Richtung Süden, zum „Hotel Mauss“. Ein kleines Häuschen, idyllischer könnte es nicht liegen. Direkt an einem steilen Hang steht es, geht man die Steintreppe hinunter, steht man in feinstem Sand am Ufer des Tanganyikasees, der an dieser Stelle türkis-klares Wasser hat. Unglaublich. Wirklich so etwas wie ein (fast) unentdecktes Paradies. Wir sind alleine. Unter der Woche ist hier kaum jemand, am Wochenende schon. Beliebtes Ausflugsziel für diejenigen, die es sich leiten können. Wir sitzen unter einem kleinen Strohschirm auf Metallstühlen. Der kleine Strandabschnitt wird auf beiden Seiten begrenzt von mächtigen, schwarzen Felsen. Ein schöner Anblick. Drüben, auf der anderen Uferseite, der Kongo. Der See glasklar. Die Sonne brennt.

 

Kurz darauf zieht ein kleines Gewitter auf. Es regnet aber nur kurz, dann zeigt sich die Sonne wieder. Der Boden ist im Nu wieder trocken. Im Wasser liegen riesige Felsen, auf denen man sich sonnen kann. Vögel zwitschern. Weiter hinten macht es sich eine Gruppe Männer im Schatten gemütlich und trinkt Amstel. Vor einem der glasklare See, weit entfernt der Kongo, hinter einem erst steile Felswand, dahinter Burundis grüne Hügel. Schönere Stellen als diese sind nur noch selten zu finden. Wir essen Fisch, Salate und Fleischspieße von der Ziege. Dazu Pommes oder Bananen. Alles sehr lecker. Noch dazu günstig. Die kalte Cola tut gut bei der Hitze.

 

Schon bei der Fahrt hinunter in den Süden fiel mir auf, dass diese Gegend hier anders ist als im Norden. Die Vegetation, die Gegend, die Häuser, die Menschen. Ganze Palmenplantagen sehen wir. Beeindruckend reihen sich die dicken Stämme hintereinander und man bekommt einen Anblick eines dunklen Walds. Zuvor, bevor Palmen das Landschaftsbild bestimmen, überall nur Bananenstauden. Ringsherum, soweit das Auge reicht. Links von der Straße mit den vielen Schlaglöchern den Berg hinauf, rechts davon bis zum Wasser hinunter. Die Häuser machen einen stabileren Eindruck als in den nördlichen Regionen. Die Menschen einen weniger armen. Zwar immer noch sehr einfach, aber man hat das Gefühl, das Leben ist hier ein anderes. Kein einziger „Muzungu“-Ruf. Was mich sehr erstaunt. Immer wieder erstrecken sich kleine Landzungen in den See hinein. Der Anblick ist unglaublich.

 

Als wir zurück fahren, spiegelt sich die Nachmittagssonne auf langer Strecke im Tanganyikasee. Ein Szenario wie auf der Postkarte, noch dazu im Vordergrund die Bananenstauden. Nur die Straße ist eine Herausforderung für jedes einzelne Gelenk. Man wird zwar durchgeschüttelt, aber dafür mit der Aussicht für alles entschädigt. Ein entspannter Tag. Als wir abends zurück nach Bujumbura kommen, etwa 45 Minuten Fahrt, setze ich mich dennoch noch ein wenig hinter das Notebook und arbeite. Was sein muss, muss sein.

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