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Der Optimismus…

10. Mai. Es gibt sehr erfreuliche Momente. So wie mit den Bauern aus Musigati, einem kleinen Örtchen in der Provinz Bubanza. Wir hatten ihnen vor einiger Zeit einen Mikrokredit ermöglichen können aufgrund privater Spenden aus Deutschland. Als wir begannen, uns nach einiger Zeit zu fragen, was mit dem Projekt passiert ist, weil wir bis dato nichts gehört hatten, kam prompt die Antwort. Man schickte uns zwei Stücke der selbst produzierten Seife, die erste Rate der Rückzahlung und dazu noch zwei Fotos (zu sehen auf der Seite „Bilder“), um das Geschehen vor Ort zu dokumentieren. Der Verbund von Frauen und Männern, die nun mit ihrer kleinen Seifenfabrik ihren Lebensunterhalt wieder selbst bestreiten können, ist für uns Motivation. Besser geht es fast nicht. Und wir freuen uns über das gelungene Projekt.

Auch in Muyinga, wo ich mich in diesem Moment aufhalte, geht es voran. Das Landwirtschaftsprojekt warf die erste Ernte ab – drei Tonnen Kartoffeln. Auch haben wir mit unseren Kühen das erste Kälbchen bekommen. Weitere Kühe sind schwanger. Wenn alles gut läuft, so wie bislang, dann können wir eventuell das Landwirtschaftsprojekt ausweiten. Drei weitere Hektar Land können wir wahrscheinlich kostenlos bekommen. Und Landwirtschaft ist genau das, worauf wir in Burundi setzen sollten und müssen. Und es verstärkt auch tun. Verbunden mit Viehzucht – um gleich den notwendigen Dünger zur Verfügung zu haben.

In der Nähe unseres Projekts ist ein Transitlager für Flüchtlinge, die aus Tansania zurück kehren. Teilweise Flüchtlinge aus dem Jahr 1972. Man will Land für sie suchen, wo sie ansiedeln und das sie kultivieren können. Keine leichte Aufgabe für das UNHCR, das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen. Zumal kommende Woche wieder die Preise steigen werden. Und ernten können die Flüchtlinge noch lange nichts. Man hat ja noch nicht einmal begonnen, zu kultivieren. Hinzu kommt noch die Aussage unseres Mitarbeiters in Muyinga: „Ende Juni oder Anfang Juli“ wird es die nächste Hungersnot geben.“ Grund: Der Regen setzte zu früh aus, bereits Ende April. Doch für eine gute Ernte bräuchte es noch Regen bis Ende Mai.

Neben den großen Problemen gibt es noch die „kleinen“. Die Moral der Menschen leidet unter der Lebenssituation. Stellenweise verständlich, doch die Ausmaße sind weitaus mehr als nur zu bedauern.

Im Heim lebt ein Mädchen namens Nadia. Ich kenne ihr Alter nicht genau, ich schätze es auf 15 oder 16 Jahr. Sie hat keine näheren Verwandten mehr, nur noch eine Schwester, die in einem sehr armen Viertel bei einer entfernten Verwandten – sie nennen sie Tante – wohnte. Die Schwester wurde krank und musste ins Krankenhaus. Als ihr bewusst war, dass sie sterben wird, bat sie die Tante, Nadia zu rufen, dass sie sie noch einmal sehen könne. Doch die Tante rief nicht an. Am Tag darauf war die Schwester tot. Nadia fand eine kleine Nachricht vor, dass ihr die Schwester etwas hinterlassen habe. Also ging sie in das Zimmer der Schwester im Haus der Tante und fand einen Umschlag mit fast 400.000 FBu. Als die Tante das Geld sah, riss sie es Nadia aus der Hand. Wir müssen uns in den kommenden Tagen darum bemühen, gegen diese Sache vorzugehen. Denn schließlich kann es die Existenzgrundlage und Zukunft für Nadia bedeuten.

Wechsel ins Viertel Buterere. Eines der ärmsten der Stadt, vielleicht auch das ärmste. Ein kleines Mädchen von dort ist in unserem Straßenmädchenheim „Duhinduke“. Die Mutter Alkoholikerin, der Mann, der mit im Haus lebt, nicht der Vater der Kleinen. Darüber hinaus gewalttätig, auch gegen das Mädchen. Am Wochenende hat man die Mutter im Busch gefunden. Wahrscheinlich erdrosselt. Vom Mann keine Spur.

„Burundi wird sich bessern“, sagte mir heute Abend ein optimistischer Freund. Ich dachte schon, diese Meinung existiert nicht mehr – außer in mir. Und das denke ich auch weiterhin. Es ist im Moment vielleicht ein leichtes Stocken, wieder einmal viele Probleme, die zusammen treffen. Doch trotz allem wird es aufwärts gehen. Mit kleinen Schritten. An denen wir mitarbeiten.

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