Rose - die Behandlung
Seit dem 1. April ist Rose nun in Freiburg in den guten Händen der Ärzte der Uniklinik. Vielen Untersuchungen musste sie sich unterziehen, Blutkonserven bekommen und einmal sogar in Isolation. Ihre Nase lief, man wusste zuerst nicht, weshalb. Zur Sicherheit musste sie in ihrem Zimmer bleiben - Besuch durfte nur mit Atemschutz und Mantel zu ihr. Mittlerweile ist sie jedoch wieder “befreit”, mit den anderen Patienten der onkologischen Abteilung
zusammen.
Was mich besonders freut ist, dass sich so viele Menschen einsetzen - und ihre Zeit spenden. Zeit für Rose. Sie stellen somit das zur Verfügung, was ihnen niemand mehr zurückgeben kann. Angefangen bei einer Frau, die extra Urlaub nahm, um Rose und ihre Begleiterin Nadine vom Flughafen abzuholen und nach Freiburg zu bringen, über eine Frau aus Freiburg, die sich
bereit erklärt hat, als lokale Organisatorin und Ansprechpartnerin zu fungieren, über burundikids-Freiwillige Kerstin, die nun in Freiburg lebt und studiert, bis hin zur gesamten burundischen “Community” in Freiburg und Umkreis, die allesamt schon zur Begrüßung von Rose und Nadine im Krankenhaus waren und dort auch regelmäßig Besuch abstatten. Viele
Menschen kümmern sich - viele helfen.
Ärzte, Therapeuten, Psychologen. Alle geben sich Mühe und sind geduldig - trotz der Schwierigkeit des ständigen Übersetzungsbedarfs. Anscheinend sind Rose und Nadine etwas erstaunt, weil das Personal so freundlich ist und sofort handelt, wenn man um etwas bittet. Mit den Zuständen hier in Burundi nicht vergleichbar. Noch nicht einmal ansatzweise. Jedoch auch für das gegenseitige Verständnis, wurde dem Personal der Uniklinik anhand von Fotos die Situation in Burundi vor Augen geführt. Sie verstanden…
Die Untersuchungen bestätigten die erste Diagnose: Aplastische Anämie. Zusätzlich stellte man ungewöhnlich hohen Blutdruck fest - aufgrund einer Nierenarterienstenose. Diese Nierenarterienverengung wird heute operiert. Die für Rose zuständige Ärztin teilte ebenfalls mit, dass dann sehr rasch mit der immunsuppressiven Therapie begonnen werden würde. Es wird ernst für Rose. Anscheinend “hat Rose gewaltigen Respekt vor dem Eingriff, vertraut aber dem Ärzteteam”.
In der Zwischenzeit hatten wir eine Bluprobe ihrer jüngeren Schwester Claudine nach Freiburg geschickt. Aus dieser ergab sich jedoch, dass eine Knochenmarktransplantation ausgeschlossen bleibt. Es wird die Chemotherapie sein, die Rose hoffentlich heilen wird.
Ein burundischer Freund reiste derweil nach Burundi - und brachte ein Paket von Rose mit. An ihre Freunde im Heim schickte sie Briefchen und viele Süßigkeiten. Süßigkeiten, die ihr wohl die Besucher in Deutschland mitgebracht hatten. Sie will teilen. Und anscheinend hat sie Heimweh. Freut sich, wenn sie bald wieder nach Burundi zurück fliegen kann. Doch da wird
sie leider noch ein wenig warten müssen. Auch musste ihr die Psychologin der Klinik klar machen, dass nach der OP heute ihre Krankheit noch nicht vorbei ist.
Dies ist erst der Anfang.
Begleiterin Nadine kann dank der “burundischen Freiburger” derweil ein wenig die Stadt kennenlernen - wenn sie nicht gerade Rose zur Seite stehen muss und dies andere tun. In einer Mail an mich schrieb sie in den vergangenen Tagen, sehr froh zu sein, endlich einmal wieder Sombé essen zu können (Gemüse aus Maniokblättern, das in Burundi sehr viel gegessen wird).
Schwierig stellt sich derzeit anscheinend der Kulturunterschied dar - insbesondere die gesellige afrikanische Lebensart in einer deutschen Klinik. Doch ich denke, auch das wird sich legen - mit beidseitigem Verständnis. Immerhin sagt man, Burunder seien zurückhaltend, vergleiche man sie mit sehr extrovertierten Westafrikanern.
Rose soll leben - und das will sie auch. Mutig scheint sie zu sein. So kenne ich sie auch. Ich bin mir sicher, sie wird das durchstehen. Und dann eines Tages wieder stolz vor ihren Leuten hier in Burundi stehen und stolz erzählen. Denn ihr Mundwerk kenne ich auch. Doch erst einmal muss Rose noch Mut beweisen. Und durch ein tiefes Tal gehen.
Sie ist sich derweil der Situation bewusst. Als sie mit den anderen Kindern in der Klinik zu Mittag aß, fragte einer sie: “Warum isst du denn so wenig?” Ihre Antwort: “Das hier kostet alles so viel, da will ich nicht noch so vieles teurer machen, indem ich viel esse……….”


